Outsourcing von THT- und SMD-Bestückung und mehr

 

Von der Leiterplatten-Bestückung bis hin zu Full-Service-Dienstleistungen

Die Abkürzung EMS steht für Electronic Manufacturing Services, was mit Elektronik-Fertigungsdienstleistungen übersetzt werden kann. Ein EMS-Anbieter übernimmt die Elektronikfertigung ganz oder teilweise für andere Unternehmen (Outsourcing).

EMS EEMSBei der Elektronikfertigung geht es nicht nur um die SMD-Bestückung und THT-Bestückung und die entsprechenden Lötprozesse. Die meisten EMS-Dienstleister übernehmen ebenso Aufgaben über die Baugruppenfertigung hinaus, wie die Materialbeschaffung, Testerstellung, Beschichtung/Verguss und die Fertigung vollständiger Geräte. Immer öfter ist auch der Begriff EEMS (Electronic Engineering and Manufacturing Services) zu finden, hier kommen zusätzlich zur Fertigung noch Dienstleistungen im Bereich  Entwicklung und Design hinzu. Viele Dienstleister kümmern sich inzwischen außerdem um Lagerhaltung, Distribution und After-Sales-Service.

 

Warum Outsourcing der Elektronikfertigung?

Aus wirtschaftlicher Sicht macht es für Unternehmen, die ihre vorhandene Elektronikfertigung nicht dauerhaft nahezu voll durch eigene Produkte auslasten können, meist Sinn, die Produktion entweder ganz oder teilweise an externe Dienstleister auszulagern (Outsourcing) oder freie Fertigungskapazitäten am Markt anzubieten und somit selbst als Lohnfertiger aufzutreten.

Mittels Outsourcing soll meist eine Senkung der Kosten im Unternehmen erreicht werden. Eine derartige Auslagerung ist mit gewissen Vor- und Nachteilen verbunden:

Vorteile  Nachteile
Verbesserung der Liquidität
(Kapitalbindung durch Fertigungslinie entfällt)
Stärkere Abhängigkeit von externen Zulieferern
Reduzierung von Produktionsrisiken Verlust von Fertigungs-Know-how
Bessere Konzentration auf Kernkompetenzen Preisgabe firmeninterner Informationen (z.B. Produktionsmengen, Technologie)

 

EMS-Anbieter im Sinne dieser Marktübersicht sind alle Unternehmen, die Elektronik-Fertigungsdienstleistungen in einem nennenswerten Umfang anbieten, und zwar im Hinblick auf die Produktionsmenge, den Umsatz und die Zahl der Kunden. Ein Unternehmen, das für eine Handvoll Kunden einige Hundert Baugruppen pro Jahr "mit"-produziert, würden wir damit nicht als Fertigungsdienstleister betrachten. Um in dieses Anbieterverzeichnis aufgenommen zu werden, muss das Unternehmen außerdem zumindest die SMD-Bestückung und/oder THT-Bestückung und den Lötprozess als Dienstleistung anbieten.

 

 

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EMS-Markt in DACH

In Deutschland, Schweiz und Österreich gibt es nach unseren Schätzungen insgesamt rund 600 Unternehmen, die Elektronik-Fertigungsdienstleistungen anbieten. Die Bandbreite ist sehr groß und reicht von lokal agierenden Lohnbestückern mit weniger als 20 Mitarbeitern bis hin zu international aktiven Unternehmen mit mehreren tausend Beschäftigten und Standorten auf allen Kontinenten. Ähnlich sieht es beim Dienstleistungsspektrum aus. Während sich einige Anbieter rein auf das Bestücken und Löten konzentrieren, decken andere die gesamte Dienstleistungspalette von der Konzeptentwicklung bis hin zum After-Sales-Service ab. In der Regel kann der Kunde die benötigten Dienstleistungen entsprechend seinen Anforderungen individuell zusammenstellen.

 

EMS-Markt in Europa

Detaillierte Zahlen zum EMS-Markt in Europa sind kaum verfügbar.

Reed Electronics Research listet in ihrer Datenbank rund 1.500 Fertigungsstandorte von etwa 1.000 EMS-Unternehmen in Europa auf. Den Gesamtmarkt für Westeuropa in 2016 schätzt das Unternehmen auf rund 11 Mrd. Euro, wobei mehr als die Hälfte auf die Länder Deutschland, Frankreich und UK entfallen sollen. Der Umsatz für Mittel-/Osteuropa, Nahost und Nordafrika wird für den selben Zeitraum auf rund 16 Mrd. Euro geschätzt, wobei hier der Hauptanteil von wenigen großen EMS-Unternehmen in den Ländern Tschechische Republik, Ungarn, Polen und Slowakei erzielt werden soll.

Laut Weiss Engineering soll es rund 1.800 EMS-Unternehmen in Europa geben, die in 2016 einen Umsatz von rund 35 Mrd. Euro erzielt haben.

 

 

 

Dienstleistungsspektrum

Wie bereits angedeutet, bieten EMS-Unternehmen neben der reinen Lohnfertigung inzwischen noch vielfältige weitere Dienstleistungen an, die der Kunde entsprechend seinen Anforderungen in Anspruch nehmen kann.

Der ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V.) hat im Jahr 2006 die Dienstleistungsinitiative "Services in EMS" ins Leben gerufen, der sich mittlerweile 34 EMS-Anbieter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz angeschlossen haben. Ein Ziel dieser Initiative ist auch die Definition einheitlicher Dienstleistungsstandards, die für alle Mitglieder verpflichtend sind. Darüber hinaus wurden sieben Wertschöpfungsbereiche definiert: Entwicklung, Design, Testkonzept, Materialmanagement, Produktion, Logistik und Distribution sowie After-Sales-Services.

Jeder dieser Wertschöpfungsbereiche gliedert sich wiederum in mehrere Einzelmodule auf, so beispielsweise die Produktion in:

  • Konzeption und Umsetzung von Produktionsprozessen
  • Konstruktion und Aufbau von Testsystemen inkl. Software
  • Muster- und Prototypenfertigung
  • Bestückung von elektronischen Baugruppen (SMD, THT)
  • Geräte- und Systembau
  • Durchführung kundenspezifischer Tests
  • Oberflächenbehandlungen und Veredlungen

Entsprechende Einzelmodule gibt es auch für die anderen Wertschöpfungsbereiche. Bei der Festlegung der Auswahlkriterien für die Suche nach geeigneten EMS-Anbietern haben wir uns an den Wertschöpfungsbereichen des ZVEI orientiert. 

 

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